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Über mich

 

 Mein Name :  Wilfried (Willi) Albrecht

 Mein Alter   :  60 Jahre

 Familie        :  verheiratet, 1 Sohn 

 

 Beruf           :  Verwaltungsbeamter  (Pensionär)

 Wohnort     :  74889  Sinsheim

 Krankheit   :  A L S  (Amyotrophe Lateralsklerose)

                          Diagnose Dezember 1984

Mein Leben :

Ich wurde 1949 in Heidelberg geboren und wuchs in einem Kuhdorf mit damals knapp 500 Einwohnern auf. Nach der Grundschule besuchte ich die Handelsschule. Danach konnte ich eine Lehre als Verwaltungsangestellter/Beamter im Rathaus meiner Heimatgemeinde Daisbach machen. Wie es so ist im Dorf habe ich mich in Vereinen nützlich gemacht. Feuerwehr, DRK und Kleintierzuchtverein brachten Abwechslung, ebenso das Trompetenspiel im Posaunenchor. Bei einem Ausflug von Posaunenchor und Kirchenchor lernte ich meine Frau kennen und wir heirateten 1971. Inzwischen war ich beruflich auf einem sicheren Amtsposten. Wir zogen in´s Elternhaus meiner Frau.

1972 wurde ich aktives Mitglied im Schützenverein, wo ich mehrfach zum Schützenkönig gekrönt wurde. Auch im Tontaubenschiessen konnte ich einige Titel erringen. 1976 wurde ich zum 1. Vorsitzenden gewählt. Inzwischen wurde ich, an den Wochenenden, im DRK-Rettungsdienst eingesetzt. Auch den Notarzt habe ich gefahren und unterstützt. Um auch beruflich weiter zu kommen, habe ich mich 1975 als Kandidat zum Bürgermeister aufstellen lassen. Leider habe ich bei der Wahl, unter 4 Mitbewerbern, nur den 2. Platz belegt. So blieb alles beim alten und die Jahre zogen dahin. Unser Sohn kam 1978 zur Welt. Ich musste meine Nebentätigkeiten einschränken. 1980 konnte ich mich beruflich verändern. Mir wurde der Posten des Kämmerers (Kasse) übertragen.
Da wir in unserer Wohnung nur 2 Zimmer hatten, haben wir uns 1982 zum Umbau des Wohnhauses entschlossen. Wie es bei
Altbauten so ist, kommt es meist zu unverhofften Zusatzarbeiten, die die Kosten um ein mehrfaches ansteigen lassen. So auch bei uns, obwohl ich selbst einiges tun konnte. Meine Frau war gezwungen sich eine Arbeit zu suchen, um die Verpflichtungen bei der Bank tragen zu können.  Dann kam Ende 1984 die Diagnose ALS. Fast ein Jahr lang konnte ich mich noch alleine versorgen. Danach war ich auf die ständige Hilfe meiner Frau angewiesen. Inzwischen hatte ich alle Tätigkeiten in den Vereinen einstellen müssen. Auch wurde ich in den Vorruhestand geschickt, was zu weiteren finanziellen Einbußen führte. So kam es, dass wir unser Haus verkaufen
mussten. Im August 1986 sind wir dann in eine ebenerdige 3-Zimmerwohnung gezogen, in der wir heute noch wohnen.

Diese Krankheit hat nicht nur mich als Betroffenen ruiniert, sondern die ganze Familie.

Fortsetzung unter der Rubrik   A-L-S

In den Regional-Nachrichten der Rhein-Neckar-Zeitung wurde am 8. Februar 2007 folgendes über mich berichtet:

Doch sein Optimismus bleibt ungebrochen

Wilfried Albrecht (57) leidet an der unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit "ALS" und will Kranken Lebensmut zurück geben

 

'Mutmacher' Wilfried Albrecht. Auf den Homepages 'Schnauferli-online.de' und 'Schnaufi.4ever.ms' hat er neben seiner eigenen Krankheitsgeschichte allerlei Hilfsmittel, Bezugadressen und Links für ALS-Betroffene und deren Angehörige recherchiert. Foto: Kegel
"Mutmacher" Wilfried Albrecht. Auf den Homepages "Schnauferli-online.de" und "Schnaufi.4ever.ms" hat er neben seiner eigenen Krankheitsgeschichte allerlei Hilfsmittel, Bezugadressen und Links für ALS-Betroffene und deren Angehörige recherchiert. Foto: Kegel

Von Tim Kegel

Wilfried Albrecht sitzt der Schalk im Nacken, und was er von sich gibt, ist prädestiniert, um Mut zu machen. Im Geiste ist er einwandfrei der "Willi" geblieben, den sie noch aus Zeiten kennen, in denen er ein Hansdampf-in-allen Gassen war: Motorradfahrer und mehrmaliger Vereins- und Kreismeister im Tontaubenschießen, Kleintierzüchter, Mitglied im Posaunenchor, Rettungssanitäter und Jugendleiter beim Rotkreuz, Angler, "daneben" Familienvater, Häuslebauer und Kämmerer im damals noch selbständigen Daisbach. Heute läuft alles anders. Albrecht ist Gefangener im eigenen Körper bei wachem Verstand.

Anfang der 80er-Jahre stellte Wilfried Albrecht – seinerzeit 130 Kilo "Kampfgewicht" – Veränderungen der Kondition beim Heben, später auch Muskelbeschwerden bei Spaziergängen und Ähnliches fest und blieb zunächst unbeeindruckt. 1984 dann der Schicksalsschlag: Die unheilbare Muskel- und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) wurde diagnostiziert, die ihn Ende 1985 an den Rollstuhl fesselte. 1987 mit schwerer Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert, kam es zum Atemstillstand der ihn in ein dreiwöchiges Koma fallen ließ. Er wachte auf: Mit Luftröhrenschnitt und Beatmungsgerät, wurde über Magensonde künstlich ernährt und nahm in sieben Monaten 55 Kilo ab. Ein Horror.

"Die Ärzte gaben mir noch vier Monate, hatten allerdings nicht mit meinem Lebenswillen und meiner unermüdlichen Energie gerechnet", schreibt er im Jahr des Herrn 2007 – also rund 20 Jahre nach dem vorschnellen "Todesurteil" – auf seiner Homepage "Schnauferli-online.de". Auch eine gehörige Portion schwarzer Humor gehört zu den Eigenschaften des außergewöhnlichen Charakters, der im Internet "anderen Mut machen" und außerdem zeigen will, "dass behindert nicht bescheuert bedeutet." Die Artikulation ohne aufwändige technische Hilfen – "die nicht jede Krankenkasse übernimmt" – ist unmöglich, Schreiben ebenso. Trotzdem gelang es Albrecht durch hartes Training sowie mit der Hilfe seiner unermüdlichen Familie und einigen guten Freunden, sich weitmöglichst aufzurappeln. Und es gelang weit mehr.

Er lernte, wieder zu atmen, zuerst nur zwei Züge, dann mehr; bis er nach Monaten in der Lage war, bis zu einer Stunde im Beisein einer Überwachungsperson, ohne Beatmungsgerät auszukommen. "Nach fünf Monaten Magensonde und ständigem Zuschauen, wie meine Mitpatienten genüsslich Essen runterschlangen, wollte ich unbedingt auch wieder etwas über den Mund zu mir nehmen", schreibt er außerdem in seiner Biografie. Der Wille war ungebrochen.

"Nach Befragen der Ärzte wurde mir dieses untersagt. Ich müsste wissen, dass ich nie mehr in der Lage sein werde zu essen und zu trinken. Nicht mit mir!" Auch das gelang. Albrecht war stolz, dass er "vor allem die Götter in Weiß, vom Gegenteil überzeugen konnte". Nach 13 Monaten Intensivstation wurde Albrecht 1988 aus dem Krankenhaus entlassen. "Seit dieser Zeit verbesserte sich der Gesundheitszustand." Und er begann, trotz Beatmungsgerät, die Wohnung mit dem Rollstuhl zu verlassen. Nach vier Jahren wurde eine dreitägige Reise an den Bodensee geplant. Das klappte so gut, dass man ein Jahr später für zehn Tage in eine Ferienwohnung in Österreich fuhr, mit Tagesausflügen nach Salzburg, an den Wolfgangsee und Wien.

Der Besuch des Reichtages war krönender Abschluss einer Berlinfahrt. Süffisant schreibt Albrecht hierzu: "Nach ausgiebiger Kontrolle am Rollstuhl und Befummelei an mir durch Sicherheitsbeamte, durfte ich, nicht ohne Hintergedanken und einem Grinsen im Gesicht, unseren Politikern aufs Dach steigen."

Seit 18 Jahren wird Willi Albrecht nun zu Hause gepflegt und betreut. Die ALS hat sich, bis auf die Atmung, in den letzten Jahren nicht verändert. Seine Krankheitsgeschichte – so die Botschaft, die Albrecht vorlebt – soll anderen Schwerkranken oder Behinderten, deren Angehörigen, aber auch Ärzten und Pflegern Mut machen. Optimismus, dass es (fast) immer weitergehen kann.

Stichwort:

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei ist der Teil betroffen, der für die Steuerung der Skelettmuskulatur verantwortlich ist. In Deutschland sind etwa 6000 Menschen an ALS erkrankt. Der Beginn einer ALS stellt sich überwiegend als Muskelschwäche dar. Dabei kann sich die Kraftminderung völlig unterschiedlich zeigen. Typische Symptome sind Krämpfe.

 

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